Freitag, den 25. Juni 2010
Aus gegebenem Anlass:
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NEUNUNDDREISSIG HALBWAHRHEITEN ÜBER WALTER WECZERKA
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- ein Fortsetzungsroman in einigen Teilen.
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I
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Aufgrund der Ereignisse der letzten Wochen - ich erinnere hier nur an die verschobene Aufführung der Jupiter - Symphonie in Kerpen, das Rätsel um die verschwundenen Schafe oder die Geschichte mit den fünf Schnüren, die zu grünen Türen führen - halte ich es für angebracht, der Allgemeinheit und den zuständigen Behörden weitreichende Informationen über Walter Weczerka zugänglich zu machen. Dies soll hiermit geschehen. -
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Im Übrigen kenne ich Herrn Walter Weczerka nicht persönlich, was für die hier vorgestellten Fakten aber keine weitere Rolle spielt; ich versichere, sie mit der mir eigenen Sorgfalt zusammengetragen zu haben.
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II
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Erstens:
Walter Weczerka ist eventuell ein Schuft.
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Zweitens:
Walter Weczerka wohnt wahrscheinlich in Schwerte, vielleicht aber auch in Witteln oder Dorsten. Augenzeugen wollen ihn zwar wiederholt in einem Tapetengeschäft in Koblenz gesehen haben; aber mir erscheinen Kunden eines Tapezierladens nicht eben vertrauenswürdig. Im Übrigen muss man die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß Herr Weczerka vielleicht absichtlich nach Koblenz fährt, um Verwirrung zu stiften und seine Spuren zu verwischen.
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Drittens:
In dem Kinofilm “Pulp Fiction” gibt es eine Stelle, an der Walter Weczerka immer lachen muss. Aber nur so.
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Viertens:
Im Februar des Jahres 1992 war Walter Weczerka offenbar nicht in La Paz; ja, es ist nicht auszuschliessen, dass er ÜBERHAUPT NOCH NIE in La Paz war. Da ich dieser Information einige Bedeutung beimesse, habe ich mich persönlich nach Bolivien begeben - jedoch war meine Reise eine rechte Enttäuschung. Die befragten Einheimischen konnten sich nicht erinnern, gaben verschwommene oder ausweichende Antworten und legten überhaupt ein recht unkooperatives Verhalten an den Tag. Immerhin nahm der diensthabende Beamte auf der örtlichen Polizeiwache das Passbild von Walter Weczerka entgegen und legte es in eine Schublade; sollte sich in dieser Sache also noch etwas ergeben, werde ich sicherlich direkt von der dortigen Verwaltung kontaktiert.
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Fünftens:
Herr P. berichtet ausführlich von der grossen Tierliebe Weczerkas; überdies habe er - Weczerka nämlich - keinesfalls in Rheda Katzen an die Wand genagelt. Auch beim grossen Pferdeanzünden in Suhl habe man ihn nicht gesehen; die Angaben zum Hamsterwerfen in Limburg sind allerdings widersprüchlich.
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Sechstens:
In einem Hürther Krawattengeschäft hängt ein Jugendfoto von Walter Weczerka. Der Besitzer ist sich nicht sicher, wie das Foto in seinen Laden kam; aber es zeigt unzweifelhaft Herrn Weczerka oder aber dessen Bruder.
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Siebtens:
Angeblich spricht Herr Weczerka kein Französisch. (Mir persönlich scheint dieser Fakt zweifelhaft, da der Mann seine Jugend in einem Kloster im Département Lozère im Languedoc-Roussilon zugebracht hat, allein: die Damen F. und B. bestehen darauf - nicht ein Wort!)
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Achtens:
Es wird behauptet, Herr Weczerka sei aussergewöhnlich stark oder verfüge jedenfalls über eine immense Körperkraft. Diese Kraft stünde in krassestem Missverhältnis zu seiner eher schmächtigen Figur, wird regelmässig erklärt; verschiedene Menschen waren “überrascht” oder gar “verblüfft” von Walter Weczerkas Muskeln - und übrigens auch von seiner Elastizität. In den erstaunlichsten Verrenkungen will man ihn gesehen haben; er mache “Handstand auf einem Daumen” und biege die Beine dabei um die Schultern. Naja.
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Neuntens:
Erstaunlicherweise flucht er - also Walter Weczerka - sehr einfallslos; er verfügt überhaupt nur über zwei Flüche, die er gegebenenfalls ausstösst: “Ja verdammich!” ist der eine, und dann gibt es noch einen anderen.
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Zehntens:
In Marl stieg Walter Weczerka in einen Bus und fuhr bis zur Endstation. Immerhin hatte er eine Fahrkarte gelöst, sonst hätte die Sache ins Auge gehen können.
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Elftens:
Walter Weczerka hat oft einen rechten Heisshunger auf Lachsnudeln.
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Zwölftens:
Zwischen Detmold und Höxter geht Walter Weczerka nur äusserst selten spazieren; Gründe hierfür gibt er nicht an.
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Dreizehntens:
Während seiner Studienzeit gab es plötzlich das Gerücht, daß Walter Weczerka Sonntags braune Lederschuhe trüge. Das war ihm einigermassen peinlich; er hat dann das Studienfach gewechselt und sich in den Semesterferien regelmässig verleugnen lassen. Man hat die Schuhe Jahre später in einer Gaststätte im Naturpark Solling - Vogler entdeckt; inzwischen war aber Gras über die Sache gewachsen und es interessierte sich kaum noch jemand dafür. Selbst in der Lokalzeitung erschien seinerzeit nur ein kurzer Bericht unter der Rubrik “Vermischtes”, und in der “Tagesschau” tauchte das Thema überhaupt nicht auf.
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(Fortsetzung folgt.)
23.06.2010, 22:51 | fu(rrückt!) (Seltsam, aber so steht es geschrieben…)